Dem Fachkräftemangel auf der Spur
Von Dr. Martin Heibel am 10.06.2011 um 09:26 | Community Software, Talent Management

Fachkräftemangel „bedeutet zunächst, dass Unternehmen einen Auftrag nicht annehmen können, weil Fachkräfte fehlen, die diesen Auftrag ausführen könnten“, sagt Bundesministerin Ursula von der Leyen und verdeutlicht damit die dramatischen Auswirkungen, die der Mangel an qualifizierten Arbeitskräften für deutsche Unternehmen mit sich bringt. Waren bis vor Kurzem die Folgen der internationalen Wirtschafts- und Finanzkrise das beinahe alles beherrschende Thema, liegt in Folge des konjunkturellen Aufschwungs der Fokus von Politik und Unternehmen nun auf Erfolgsmeldungen: Die gesamtwirtschaftliche Nachfrage zieht an und auch der Arbeitsmarkt steht so gut da, wie lange nicht mehr. Unvermeidbar rückt damit ein bereits bekanntes Thema wieder in den Mittelpunkt des Interesses: Unternehmen werden sich zusehends mehr auf einen Kampf um die besten Köpfe einstellen müssen. Und auch die Politik kann aufgrund des gesamtwirtschaftlichen Wertschöpfungsverlustes, den ein Fachkräftemangel für Deutschland langfristig bedeuten würde, nicht die Augen vor dieser Problematik verschließen.

Stichwort: Demographischer Wandel

Die Bundesagentur für Arbeit wies Anfang des Jahres in der Studie Perspektive 2025: Fachkräfte für Deutschland darauf hin, dass „der Konjunkturaufschwung … schon heute dafür [sorgt], dass nicht alle Stellen für Fachkräfte kurzfristig besetzt werden können“. Das Thema Fachkräftemangel ist folglich kein Zukunftsproblem, im Gegenteil, es besteht bereits heute dringender Handlungsbedarf. Berechnungen der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft zufolge fehlten am gesamtdeutschen Arbeitsmarkt im Jahr 2010 rund 840.000 qualifizierte Arbeitskräfte. Entsprechende Projektionen für die Zukunft zeigen, dass sich die Schere rasant schnell weiter öffnen wird. Den Prognosen zufolge wird sich der schon heute bestehende Mangel an qualifiziertem Personal bis zum Jahr 2030 nochmals mehr als vervierfacht haben (vgl. Grafik 1).

Arbeitskräftepotential bis 2030

Grafik 1: Entwicklung von Arbeitskräfteangebot und -nachfrage bis 2030 in Deutschland
Quelle: IntraWorlds auf Grundlage der Daten aus: vbw. (2009). Arbeitslandschaft 2030: Anlagenband: Ergebnistabelle für Deutschland: Eine Studie der Prognos AG Basel, S. 44ff.

Wanted: Mehr Hochschulabsolventen

Dabei sind Fachkräfte nicht gleich Fachkräfte: Zwar tritt ein Mangel an Arbeitskräften sowohl bei Hochschulabsolventen als auch bei qualifiziertem Personal mit berufsbildendem Abschluss auf, jedoch wird insbesondere der Kampf um universitär ausgebildete Arbeitnehmer in Zukunft deutlich zunehmen. Können schon heute nur rund 94 Prozent des Bedarfs an Akademikern gedeckt werden, wird sich bis 2030 eine gigantische Lücke von beinahe 25 Prozent auftun (vgl. Grafik 2).

Deckung Arbeitskräftebedarf

Grafik 2: Prozentuale Sättigung der Nachfrage an qualifizierten Arbeitskräften nach Bildungsabschluss
Quelle: IntraWorlds auf Grundlage der Daten aus: vbw. (2009). Arbeitslandschaft 2030: Anlagenband: Ergebnistabelle für Deutschland: Eine Studie der Prognos AG Basel, S. 44ff.

Vom Fachkräftemangel besonders betroffen sind die technisch-naturwissenschaftlichen Fächer (MINT). Alarmierend ist, mit welcher Dynamik der Mangel an Spezialisten in diesen Bereichen zunimmt. Laut einer Analyse des Instituts der deutschen Wirtschaft vom März 2011 fehlten am deutschen Arbeitsmarkt bereits im Februar 2011 rund 117.000 hochqualifizierte MINTler. Allein zwischen Januar und Februar 2011 vergrößerte sich die MINT-Lücke um rund 21.000 Personen (Institut der deutschen Wirtschaft Köln).

Diese Zahlen machen deutlich, mit welcher Schnelligkeit sich das schon heute bestehende Problem in nur wenigen Jahren verschärfen wird. Im Kampf um die besten Köpfe wird es für Unternehmen folglich immer wichtiger, Fachkräfte – insbesondere Studierende und Hochschulabsolventen – früh an sich zu binden und Talent Pools zu pflegen, damit hochqualifizierte und engagierte Arbeitskräfte auch in Zukunft zum gewünschten Zeitpunkt in der gewünschten Menge zur Verfügung stehen.

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Ein Kommentar auf Dem Fachkräftemangel auf der Spur

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